Was ist der Unterschied zwischen Lettering und Kalligrafie? Teil 2

Was ist der Unterschied zwischen Lettering und Kalligrafie? Teil 2

DIY ist schwer angesagt und ein großer Trend, der in diesem Zusammenhang regelmäßig auftaucht, ist das Gestalten von Buchstaben, Wörtern und Schriftzügen. Doch wer sich die Anleitungen näher anschaut, stolpert über verschiedene Begriffe. In einem zweiteiligen Beitrag erklären wir, was es mit Lettering, Kalligrafie & Co. auf sich hat und wodurch sich die Techniken voneinander unterscheiden.

Was ist der Unterschied zwischen Lettering und Kalligrafie Teil 2

Dabei haben wir in Teil 1 mit einem Überblick begonnen. Außerdem haben wir das Lettering näher unter die Lupe genommen. Weiter geht’s nun mit Teil 2!:

Die Kalligrafie

Das Wort Kalligrafie leitet sich aus dem Griechischen ab und bedeutet sinngemäß soviel wie schön Schreiben. Anders als beim Lettering, bei dem das Malen und Zeichnen von Schriften im Vordergrund steht, geht es bei der Kalligrafie also darum, kunstvolle Schriftzüge zu schreiben. Allerdings gliedert sich die Kalligrafie in zwei Formen.

Die klassische Kalligrafie

Die klassische Kalligrafie wird auch die Kunst des schönen Schreibens genannt. Und dabei basiert die Kunstform auf sehr klaren Regeln. So gibt es ein eigenes Kalligrafie-Alphabet, das genau festlegt, wie jeder einzelne Buchstabe auszusehen hat.

Zwar kennt auch die klassische Kalligrafie viele verschiedene Schreibstile. Doch bei den Variationen ist ebenso definiert, wie der Künstler die einzelnen Buchstaben schreibt. Die künstlerische Freiheit, die der Künstler beim Lettering hat und die es ihm erlaubt, sich kreativ auszutoben und seinen eigenen Stil zu entwickeln, gibt es bei der klassischen Kalligrafie somit nicht.

Ein anderer Unterschied zwischen dem Lettering und der Kalligrafie ist, dass beim Lettering in erster Linie einzelne Buchstaben, Wörter oder bestenfalls kurze Sätze gestaltet werden. Bei der Kalligrafie hingegen werden eher lange Texte geschrieben.

Hinzu kommt, dass der Künstler bei der klassischen Kalligrafie nur einen Versuch hat. Anders als beim Lettering, wo er die Schrift mehrfach überarbeiten, verbessern, umformen und immer weiter ausgestalten kann, sollten bei der Kalligrafie gleich im ersten Anlauf kunstvolle Buchstaben entstehen.

Die Werkzeuge bei der klassischen Kalligrafie sind Schreibfedern oder Füller und Tinte oder Tusche. Nur im asiatischen Raum kommen auch Pinsel zum Einsatz. Die große Auswahl an möglichen Werkzeugen, auf die der Künstler beim Lettering zurückgreifen kann, hat er bei der klassischen Kalligrafie nicht.

Insgesamt ist die klassische Kalligrafie eine Kunstform, die sehr viel Übung erfordert. Für Anfänger, die erstmals dekorative Schriften gestalten möchten, ist die klassische Kalligrafie deshalb nur bedingt geeignet. Sie sind besser beraten, wenn sie sich dem Thema übers Brush Lettering oder die moderne Kalligrafie annähern.

Die moderne Kalligrafie

Anders als die klassische Kalligrafie räumt die moderne Kalligrafie dem Künstler sehr viel mehr Freiheiten ein, um kreativ zu werden. So muss er nicht mit Füller und Tinte oder Feder und Tusche arbeiten.

Stattdessen kann er einen Pinselstift, einen Filzstift, einen Gelstift oder einen beliebigen anderen Stift verwenden. Nutzt er einen Pinselstift, ist er übrigens schon fast wieder beim Brush Lettering.

Ein typisches Merkmal der modernen Kalligrafie ist der lockere, aber gleichzeitig klare Schreibstil. Andererseits darf der Künstler seine Schriften durchaus etwas chaotischer anlegen und ihnen eine ganz individuelle Note verleihen. Die besondere Optik ergibt sich dabei aus dem Spiel mit dünnen und dicken Linien.

Im Gegensatz zur klassischen Kalligrafie erlaubt die moderne Kalligrafie dem Künstler außerdem, die Buchstaben zuerst mit dem Bleistift zu skizzieren und danach mit einem Schreibwerkzeug seiner Wahl zu gestalten und auszuarbeiten.

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Was die Techniken angeht, sind die Grenzen zwischen dem Lettering und der modernen Kalligrafie also fließend. Aus diesem Grund wird vor allem das Brush Lettering oft auch der modernen Kalligrafie zu geordnet. Gleichzeitig wird die moderne Kalligrafie mitunter als falsche Kalligrafie bezeichnet.

Der entscheidende Unterschied zwischen der modernen Kalligrafie und dem Lettering ist aber der, dass es bei der Kalligrafie nach wie vor um das schöne Schreiben geht. Beim Lettering hingegen entstehen die Buchstaben und Schriften nicht durchs Schreiben, sondern durch Malen und Zeichnen.

Die Lithografie

Das Lettering und die Kalligrafie sind natürlich nicht die einzigen Möglichkeiten, um dekorative Schriftzüge aufs Papier zu bringen. Stattdessen gibt es noch jede Menge anderer Techniken und Methoden. Ein Beispiel dafür ist die Lithografie.

Die Lithografie ist ein traditionelles Druckverfahren. Der Name setzt sich aus den griechischen Wörtern lithos für Stein und graphein für schreiben zusammen. Hinter der Lithografie verbirgt sich also eine Art des Steindrucks.

Dafür wird die Schrift, die gedruckt werden soll, spiegelverkehrt mit Kreide oder Tinte auf eine Steinplatte geschrieben. Anschließend wird die Steinplatte mit einer ätzenden Flüssigkeit bearbeitet. Dadurch bleibt an den Stellen, die die Schrift umgeben, später keine Druckerschwärze hängen. Die Farbe haftet nur an der zuvor aufgeschriebenen Schrift und wird so nach dem Abdruck auf dem Papier sichtbar.

Traditionell wurde die Lithografie nicht nur verwendet, um einzelne Wörter zu drucken. Stattdessen wurden ganze Zeitungen auf den Steinplatten erstellt. Möchte der Künstler gelegentlich ein paar Bilder mit Buchstaben oder Wörtern gestalten, ist die Lithografie aber zu aufwändig.

Eine schöne Alternative könnte hingegen der Linoldruck sein, den viele vermutlich noch aus ihrer Schulzeit kennen.

Die Typografie

Ein weiteres Druckverfahren ist die Typografie. Früher wurden dabei auf den Druckplatten einzelne Buchstaben zu Wörtern oder ganzen Texten angeordnet. Heute findet die Typografie hauptsächlich am Computer statt.

Letztlich geht es darum, mithilfe von mathematischen Algorithmen dekorative Schriften zu entwerfen. Dabei können die Schriften bestimmte Lesegewohnheiten aufgreifen, ein gewisses Design widerspiegeln, dreidimensional daherkommen, animiert sein oder einfach nur originell aussehen.

Im Prinzip fällt alles unter die Typografie, was darauf abzielt, digitale Schriften gestalterisch einzusetzen. Dabei werden neue Schriftbilder übrigens sehr oft mithilfe der modernen Kalligrafie oder des Letterings angelegt.

Zunächst wird also mit Stiften auf Papier gemalt, skizziert und entworfen. Anschließend werden die Entwürfe am Computer verfeinert und schließlich zu einer neuen Schrift zusammengefügt. So schließt sich der Kreis.

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Mario Kretschmer, 43 Jahre, Schilder und Leuchtreklame Hersteller, Tim Scheube, 35 Jahre, PG-Cutter und Werbetechniker, Sabine Tallarn, 28 Jahre, Künstlerin / Designerin, sowie Christian Gülcan Betreiber und Redakteur dieser Seite, schreiben hier Wisseswertes, Anleitungen und Ratgeber zu Schablonen, Malerei, Bastelarbeiten und Dekoration.

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