Wie geht eigentlich Knüpfen?

Wie geht eigentlich Knüpfen?

 

Handarbeiten sind derzeit wieder schwer angesagt und ähnlich wie das Stricken, das Häkeln oder das Sticken feiert auch das Knüpfen ein großes Comeback. In liebevoller Handarbeit entstehen beim Knüpfen Teppiche und Brücken in den verschiedensten Farben und mit den unterschiedlichsten Mustern.

Es erfordert zwar ein wenig Geduld, bis ein größerer Teppich fertig ist, dafür entstehen dann allerdings auch echte Unikate, die es so garantiert kein zweites Mal gibt. Aber wie geht eigentlich Knüpfen?

 

Hier die wichtigsten Infos und eine Anleitung dazu:

 

Das Handwerkszeug beim Knüpfen

Das Knüpfen von Teppichen und Brücken blickt auf eine lange Tradition zurück und vermutlich werden viele an die wunderbaren und sehr edlen Teppiche aus dem Orient oder dem Norden Afrikas denken. Vor allem Anfänger sollten sich solche Arbeiten aber nicht unbedingt zum Vorbild nehmen.

Selbstgeknüpfte Teppiche bestehen aus dicker Wolle und die Muster wirken nicht immer besonders filigran. Das heißt natürlich nicht, dass selbstgeknüpfte Teppiche deshalb nicht schön wären, nur sehen sie eben anders aus als die Vorbilder aus 1001 Nacht. Andererseits geht es beim Knüpfen auch nicht darum, andere Teppiche zu kopieren, sondern darum, seine eigenen kleinen Kunstwerke zu schaffen. 

Für das Knüpfen werden im Wesentlichen drei Dinge benötigt:

 

1.       Stramin.

Die Basis für den selbstgeknüpften Teppich bildet ein Stück Stramin. Stramin ist ein gitterartiges Gewebe aus Baumwolle oder Leinen und als Meterware erhältlich. Stramin gibt es unbedruckt, bedruckt mit farbigen Rechtecken, die das Auszählen erleichtern, und bereits mit Mustern versehen. Letzteres macht die Arbeit deutlich leichter, denn durch das aufgedruckte Muster entfällt das mühsame Zählen und ständige Vergleichen mit der Vorlage.

2.       Garn.

Der eigentliche Teppich wird aus Wolle geknüpft. Im Handel ist spezielle Knüpfwolle erhältlich, die sich in erster Linie dadurch kennzeichnet, dass die Fäden bereits auf eine geeignete Länge zugeschnitten sind. Solche Wolle ist zwar etwas teurer als herkömmliches Garn, aber dafür müssen die Fäden auch nicht mehr selbst zugeschnitten werden. Gleichmäßig lange Fäden sind für ein ansprechendes Ergebnis beim Knüpfen sehr wichtig.

3.       Knüpfnadel.

Was beim Häkeln die Häkelnadel und beim Stricken die Stricknadeln sind, ist beim Knüpfen die Knüpfnadel. Diese ist gebogen und hat am Ende einen Haken, der zu einer Art Öse geschlossen werden kann. Deshalb wird auch vom Knüpfhaken gesprochen. Der Griff besteht aus Holz oder aus Kunststoff. Knüpfnadeln sind in verschiedenen Stärken erhältlich und können dadurch passend zur Wolle und dem Stramin gewählt werden. 

Wer sich seine Materialien nicht selbst zusammenstellen möchte, kann auf fertige Sets zurückgreifen. Sie enthalten mit dem Muster bedrucktes Stramin, Wolle und eine geeignete Knüpfnadel. Zudem muss es auch nicht immer gleich ein größerer Teppich oder eine Brücke sein, denn auch Kissen können geknüpft werden.

 

Das Knüpfen

Beim Knüpfen wird auf einem Tisch gearbeitet. Es gibt spezielle Knüpftische, für den Anfang reicht ein ganz normaler Tisch als Arbeitsfläche aber völlig aus. Das Stramin wird dann so auf der Arbeitsfläche befestigt, dass am unteren Rand mit dem Knüpfen begonnen werden kann.

Gearbeitet wird am besten mit dem Ghiordes-Knoten, der auch als türkischer Knoten bekannt ist. Bei diesem Knoten liegen die beiden Enden des Fadens parallel zueinander, wodurch ein sehr stabiler Knoten vorhanden ist. Für den türkischen Knoten sind acht Arbeitsschritte notwendig. In der Theorie klingt das Knüpfen recht kompliziert, in der Praxis ist es aber halb so wild und mit ein wenig Übung gehen die Arbeitsschritte ganz automatisch ineinander über.

1.       Als erstes wird die Knüpfnadel durch den unteren waagerechten Straminfaden hindurch gestochen und nach oben geschoben.

2.       Dann wird der Wollfaden um den Haken gelegt und das linke Fadenende festgehalten.

3.       Nun wird die Knüpfnadel nach unten gezogen. Dadurch entsteht automatisch eine Schlinge, die den Wollfaden hält und um den unteren Straminfaden führt.

4.       Jetzt werden die beiden Enden des Fadens nach unten gehalten. Das linke Ende, das etwas kürzer ist, verläuft dabei über dem Straminfaden. Das rechte, etwas längere Ende verläuft unterhalb des Straminfadens. 

5.       Dann wird die Knüpfnadel durch den oberen waagerechten Straminfaden hindurch gestochen und nach oben geschoben.

6.       Anschließend wird das rechte Ende des Fadens von rechts in den Haken gelegt.

7.       Nun wird die Knüpfnadel wieder nach unten gezogen. Auch hierbei entsteht wieder eine Schlinge.

8.       Zum Schluss müssen die beiden Enden nur noch fest angezogen werden und damit ist ein Knoten fertig.

Grundsätzlich sollte beim Knüpfen immer von unten nach oben und Reihe für Reihe gearbeitet werden. Andernfalls besteht die Gefahr, dass der Flor ungleichmäßig wird. Zudem sollte beim Knüpfen in Richtung Körper gearbeitet, die Fäden also nicht vom Körper weg oder zur Seite gezogen werden. Dies könnte nämlich dazu führen, dass sich der Teppich verzieht.

 

Das Fertigstellen der Knüpfarbeit

Ist das Kunstwerk fertig geknüpft, kann es noch mit Fransen verziert werden. Dazu werden Wollfäden in der gewünschten Länge an die Abschlussreihen geknotet. Die Fransen können dann entweder so herunterhängen, paarweise verknotet oder zu kleinen Zöpfen geflochten werden. Der letzte Schritt gilt den Rändern des Stramins.

Die einfachste Methode besteht darin, die Seitenkanten bis auf wenige Zentimeter zurückzuschneiden, umzuklappen und auf der Rückseite mit Teppichband zu fixieren. Wer möchte, kann das Gewebe aber auch mit einem Zopfstich sichern oder den Teppichrand farblich passend einfassen.

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Veröffentlicht von

Redaktion

Mario Kretschmer, 43 Jahre, Schilder und Leuchtreklame Hersteller, Tim Scheube, 35 Jahre, PG-Cutter und Werbetechniker, Sabine Tallarn, 28 Jahre, Künstlerin / Designerin schreiben hier Wisseswertes, Anleitungen und Ratgeber zu Schablonen, Malerei, Bastelarbeiten und Dekoration.

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