Wie geht eigentlich die Kammzugtechnik?

Wie geht eigentlich die Kammzugtechnik?

 

Die Kammzugtechnik hat ihre Wurzeln im bäuerlichen Handwerk. So wurde seinerzeit versucht, das höfische oder städtische Kunsthandwerk mit den vorhandenen, oft begrenzten und nur einfachen Mitteln nachzuahmen. Im Laufe der Zeit entwickelte sich die Kammzugtechnik dann aber zu einer eigenständigen Malweise weiter.

 

Möbel, Türen, Verkleidungen aus Holz, Sockel und ganze Wände wurden in der Kammzugtechnik gestaltet. Was einst in Bauernstuben zu finden war, lässt sich problemlos in heutige, moderne Wohnräume integrieren. Das charakteristische Streifenmuster sieht nämlich nicht nur sehr dekorativ aus, sondern passt durch seine klaren Formen zu fast jedem Einrichtungsstil. Hinzu kommt, dass die Technik auch ohne große Vorkenntnisse oder künstlerisches Talent einfach umzusetzen ist und auf allen festen, glatten Untergründen angewendet werden kann.

Nur: Wie geht eigentlich die Kammzugtechnik? Und was wird dafür benötigt?:

 

Hier eine Anleitung

 

Die Materialien für die Kammzugtechnik

·         Acrylfarbe oder farbloser Acrylbinder für den Hintergrund

·         Acrylfarbe oder Kleisterfarbe für das Muster

·         Kamm; im Fachhandel sind spezielle Kämme für die Kammzugtechnik erhältlich. Diese Kämme bestehen aus Holz, Gummi oder Metall und sind in verschiedenen Breiten und mit unterschiedlich großen Zinkenabständen zu haben. Bei kleinen Flächen kann aber auch ein herkömmlicher Haarkamm, bei großen Flächen ein Zahnspachtel verwendet werden.

·         Pinsel

·         transparenter Acryllack

 

Kleiner Exkurs: selbstgemachte Kleisterfarbe aus Roggenmehl

Früher wurde die Kammzugtechnik mit Ölfarben oder mit Kleisterfarben umgesetzt. Heute bieten sich Acrylfarben an. Acrylfarben sind einfach zu verarbeiten, trocknen schnell und können zu allerlei Farbtönen miteinander vermischt werden. Wer es traditionell mag und Lust hat, ein wenig herumzuexperimentieren, kann sich seine Farbe für die Kammzugtechnik aber auch selbst anrühren. Dazu werden lediglich

  • ·         2 Esslöffel Roggenmehl,
  • ·         500ml Wasser und
  • ·         Farbpigmente

benötigt. Um die Farbe herzustellen, wird das Mehl in ein Gefäß gegeben und mit etwa 100ml kaltem Wasser angerührt. In der Zwischenzeit wird das restliche Wasser zum Kochen gebracht. Dann wird das kochende Wasser langsam und unter ständigem Rühren in die Mehl-Wasser-Mischung eingearbeitet. Ein ideales Hilfsmittel hierbei ist der Schneebesen.

Die Kleisterfarbe ist richtig, wenn sie gut eingedickt ist und eine blau-gräuliche Farbe hat. Sollten sich trotz Rühren kleine Klümpchen gebildet haben, kann die Farbe durch ein Sieb gestrichen werden. Die Farbe muss nun auskühlen.

Wenn sie kalt ist, werden Farbpigmente im gewünschten Farbton eingerührt. Farbpigmente gibt es in flüssiger und so direkt gebrauchsfertiger Form. Werden Farbpigmente in Form von trockenem Pulver verwendet, sollten sie zuvor mit etwas Wasser zu einer Farbpaste angerührt werden. Für eine deckende Kleisterfarbe werden die Farbpigmente und die Kleisterfarbe im Verhältnis 1:1 vermischt.

Soll die Farbe den Untergrund durchscheinen lassen, wird ein Teil Farbpigment in zwei bis fünf Teile Kleisterfarbe eingerührt. Je mehr Kleisterfarbe verwendet wird, desto transparenter wird die Farbe. 

Nach dem gleichen Prinzip kann Kleisterfarbe übrigens auch aus Weizenmehl oder Speisestärke hergestellt werden. Ein dickflüssig angesetzter Tapetenkleister eignet sich ebenfalls.

 

Die Kammzugtechnik – so wird’s gemacht

Die Kammzugtechnik setzt sich aus zwei Schichten zusammen. Den Hintergrund bildet eine einheitliche Farbfläche. Darüber wird eine zweite Farbe aufgetragen, durch die der Kamm gezogen wird. Dadurch wird ein Teil der Farbe wieder abgenommen und das charakteristische Linienmuster entsteht. Dabei kann die Kammzugtechnik auf nahezu allen Untergründen eingesetzt werden, die glatt und eben sind. Möbel aus Holz eignen sich somit genauso wie beispielsweise Platten aus Kunststoff, Flächen aus Metall oder verputzte Wände.

 

Hier die Kammzugtechnik aber Schritt für Schritt:

 

1. Schritt: den Untergrund bemalen

Im ersten Arbeitsschritt wird die Fläche, die gestaltet werden soll, grundiert. Dies kann mit einer Acrylfarbe im gewünschten Farbton erfolgen. Wird eine Holz- oder Metallfläche gestaltet, die sichtbar bleiben soll, kann der Untergrund auch mit transparentem Acrylbinder grundiert werden. Der bemalte Untergrund muss dann trocknen.

 

2. Schritt: das Muster mittels Kammzugtechnik gestalten

Wenn die grundierte Fläche trocken ist, wird es Zeit für die Kammzugtechnik. Dafür wird flächig eine Farbschicht aus Acryl- oder Kleisterfarbe auf die grundierte Fläche aufgetragen. Dann wird der Kamm über die Fläche gezogen. Dadurch wird ein Teil der eben aufgetragenen Farbschicht wieder abgenommen, die Grundierung freigelegt und ein Streifenmuster entsteht.

Wie das Streifenmuster gestaltet wird, bleibt natürlich dem eigenen Geschmack überlassen. So können gerade Linien gezogen werden, die senkrecht, waagerecht oder diagonal verlaufen. Es ist möglich, wellenartige Linienmuster anzulegen, Kreise zu gestalten oder den Kamm schneckenförmig über die Fläche zu ziehen. Auch Karomuster können gestaltet werden, indem der Kamm erst senkrecht und danach waagerecht über die Fläche gezogen wird.

Damit die Farbe nicht zu schnell antrocknet, ist es aber ratsam, Feld für Feld vorzugehen. Die Kammzugtechnik lässt sich nämlich nur solange ausführen, wie die Acryl- oder Kleisterfarbe noch feucht ist. Ist ein Muster nicht ganz so gut gelungen, kann einfach noch einmal etwas Acryl- oder Kleisterfarbe aufgetragen werden. Dadurch ist wieder eine geschlossene Farbfläche vorhanden, die neu gestaltet werden kann. 

 

3. Schritt: die Fläche lackieren

Ist die Malerei abgeschlossen und komplett trocken, wird die Fläche mit transparentem Acryllack als Schutzschicht lackiert. Handelt es sich um eine Fläche, die stärkeren Beanspruchungen ausgesetzt ist, beispielsweise eine Tischplatte oder ein Stuhl, ist es ratsam, zwei bis drei Lackschichten aufzutragen. Die einzelnen Schutzanstriche müssen aber jeweils trocknen, bevor eine weitere Lackschicht aufgebracht wird.

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