Die Glasmacherkunst – ein Überblick

Die Glasmacherkunst – ein Überblick

 

Ob als Fensterscheibe, als schlichtes Trinkglas, als praktisches Aufbewahrungsgefäß, als hübscher Lampenschirm oder als prächtige Blumenvase – Glas begegnet uns ständig in den verschiedensten Formen. Auch was die Farben und Muster angeht, haben Glaswaren einiges zu bieten.

Grund genug, sich einmal näher mit der Glasmacherkunst zu beschäftigen.

 

Hier also ein Überblick:

 

Die Werkzeuge bei der Glasmacherkunst

Wirklich viele Werkzeuge hatten die Glasmacher noch nie. Das ist aber auch gar nicht notwendig, denn wenige Hilfsmittel reichen aus, um aus der zähflüssigen Glasmasse kunstvolle Glaswaren zu formen. Das wohl wichtigste Werkzeug des Glasmachers ist die Glasmacherpfeife.

Mit seiner Glasmacherpfeife holt der Glasmacher die heiße Glasschmelze aus dem Ofen. Anschließend bläst er behutsam in die Pfeife und dreht sie gleichzeitig. Dadurch gelangt Luft in den zunächst unförmigen Glastropfen und ein dünnwandiges Glasgebilde entsteht.

Um das in Form gebrachte Glas von der Pfeife zu lösen, greift der Glasmacher zu Schere. Die Schere benutzt er außerdem, wenn er Stäbe, Fäden und Formen aus Glas kürzen möchte. Kleine Metallplatten kommen zum Einsatz, wenn der Glasmacher dem Glastropfen eine flache Form geben möchte.

Die metallenen Platten setzt er dabei als eine Art Press- und Quetschwerkzeug ein. Die Zange komplettiert die Ausstattung des Glasmachers. Mit der Zange kann der Glasmacher verschiedenste Verzierungen gestalten, Muster einarbeiten und filigrane Glasgebilde ausformen.

 

Farbiges und gemustertes Glas

Ein absolut klares und farbloses Glas entsteht nur dann, wenn der Glassand keinerlei metallische Verunreinigungen enthält. Finden sich Metallspuren im Sand, hat das Glas meist eine grünliche oder gelbliche Tönung. Damit farbiges Glas entsteht, muss der Glassand mit Metalloxiden angereicht werden.

Für ein blaues Glas beispielsweise fügt der Glasmacher Kobaltoxid hinzu, für ein gelbes Glas mischt er Chromoxid bei und für ein sattgrünes Glas verwendet er Kupferoxid. Möchte der Glasmacher ein tiefrotes Glas anfertigen, geht er anders vor. Das sogenannte Rubinglas entsteht durch Metallsalze, die als Beize auf das kalte Glas aufgebracht und anschließend erhitzt werden.

Das Rubinglas ist deshalb nicht durchgefärbt, sondern die rote Farbe liegt nur als Farbschicht auf der Glasoberfläche auf. Sichtbar wird dies vor allem dann, wenn Rubinglas geschliffen wird. Beim sogenannten Überfangglas ist der Effekt ähnlich. Hierfür taucht der Glasmacher einen Tropfen aus farblosem Glas in flüssiges Buntglas und formt das Glasgebilde anschließend aus.

Mosaikglas ist im Prinzip eine Variante von Überfangglas. Für Mosaikglas ordnet der Glasmacher zunächst kleine bunte Glasstückchen auf einer Platte aus Eisen oder Marmor an. Anschließend rollt er den heißen Glastropfen über diese Fläche.

Dies hat zur Folge, dass sich die bunten Glasstückchen sofort mit dem Glastropfen verbinden. Zum Abschluss taucht der Glasmacher den Glastropfen noch einmal in eine klare, transparente Glasschmelze. Das Klarglas legt sich als Schicht um das Glasmosaik und dieses Überziehen wird in der Glasmacherkunst als Überfangen bezeichnet. Möchte der Glasmacher eine Art Streifenmuster entstehen lassen, mischt er flüssiges Glas in verschiedenen Farben miteinander.

Ein solches Glas wird auch Achatglas genannt, weil das Streifenmuster optisch an den gleichnamigen Halbedelstein erinnert. Für ein Glas, das farbig schimmert, wird fertiges Glas auf etwa 400 Grad erhitzt und mit Spezialgasen bedampft. Die chemischen Bestandteile der Gase lösen sich, lagern sich auf dem Glas ab und eine irisierende Oxidschicht entsteht. Dieses bunt schimmernde Glas war vor allem im Jugendstil sehr beliebt.

 

Spiegelglas und Bleikristallglas

Wenn Glas mit Metallen zusammenkommt, entstehen verschiedene Glasarten. Ein Beispiel hierfür ist Spiegelglas. Schon in der Antike war bekannt, dass ein Spiegel entsteht, wenn Glas mit Metall hinterlegt wird. Damals wurde für Glasspiegel vor allem Blei und Zinn verwendet.

Allerdings hatte das Glas damals noch keine wirklich ebene Oberfläche, was ein verzerrtes Spiegelbild zur Folge hatte. Außerdem wurden die Spiegel durch die Auflage mit Blei oder Zinn recht schnell matt. Deshalb zogen es die Menschen vor, polierte Metallplatten als Spiegel zu verwenden.

Die venezianischen Glasmacher beschichteten ihre Glasspiegel mit Quecksilber. Die giftigen Quecksilberdämpfe machten die Fertigung aber äußerst gefährlich. Erst Mitte des 19. Jahrhunderts entwickelte der Chemiker Justus von Liebig ein Verfahren, das ungiftig war. Bei diesem Verfahren wurde eine dünne Schicht aus Silber auf das Glas aufgebracht. Dieses Glas wurde als Bauernsilber bekannt und war bei Spiegeln, Figuren, Kannen und Christbaumkugeln sehr beliebt.

Verzierungen aus Silber und Gold wurden und werden aber auch verwendet, um Trinkgläser, Vasen und Pokale besonders edel aussehen zu lassen. Bei der Fertigung wird das Edelmetall mit gewissen Zusatzstoffen vermengt, auf das Glas aufgebracht und anschließend eingebrannt. Damit die Verzierung aus Gold oder Silber schön glänzt, wird das fertige Stück dann noch poliert.

Für das schwere Bleikristallglas, das sich durch die charakteristische Lichtbrechung auszeichnet, wird der Glassand mit Bleioxid angereichert. Dabei entstand Bleikristallglas eigentlich durch Zufall. Im England des 17. Jahrhunderts gingen die Holzvorräte allmählich zu Ende.

Deshalb waren die Glashütten gezwungen, auf Kohle umzusteigen. Kohle als Brennstoff brachte aber auch Veränderungen an den Schmelzöfen mit sich, die nun für das Glasschmelzen mehr Energie brauchten. Also kam der Glashüttenbesitzer George Ravenscroft auf die Idee, der Rohstoffmischung Blei beizumischen. Er glaubte nämlich, dass das Glas dadurch schneller schmelzen würde.

Dies war zwar nicht der Fall, aber dafür entstand das Bleiglas, das sich hervorragend für den Glasschnitt eignete. Das Wissen um die Bleiglasherstellung wurde in England lange Zeit geheim gehalten. So wurde in Deutschland beispielsweise erst ab 1912 Bleiglas gefertigt.

 

Das Gravieren, Schneiden, Sandstrahlen und Ätzen von Glas

Um Glas dekorativ auszugestalten und kunstvoll zu verzieren, gibt es viele verschiedene Verfahren. So kann Glas geschliffen und graviert werden. In Überfangglas, das aus zwei oder mehr Schichten besteht, können Muster und Dekore geschnitten werden.

Das Sandstrahlen ist eine Technik, durch die matte und raue Muster in Glas eingearbeitet werden können. Beim Ätzen wiederum wird das Glas mit einer Schicht aus Wachs überzogen. Nachdem ein Muster oder das gewünschte Motiv in die Wachsschicht eingeritzt wurde, wird eine ätzende Flüssigkeit aufgetragen. Wenn die Wachsschicht entfernt ist, bleibt das eingeritzte Muster als mattes Dekor auf dem Glas zurück.

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Veröffentlicht von

Redaktion

Mario Kretschmer, 43 Jahre, Schilder und Leuchtreklame Hersteller, Tim Scheube, 35 Jahre, PG-Cutter und Werbetechniker, Sabine Tallarn, 28 Jahre, Künstlerin / Designerin schreiben hier Wisseswertes, Anleitungen und Ratgeber zu Schablonen, Malerei, Bastelarbeiten und Dekoration.

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